Der SCC liefert großen Kampf, überschattet von chaotischen Szenen
Der erste Punkt in der Geschichte des SCC Berlin in der 1. Tennis-Bundesliga ist perfekt.
Beim 3:3 im Abstiegsduell mit dem Kölner THC Stadion Rot-Weiß bewies der Aufsteiger einmal mehr, dass er in Deutschlands höchster Spielklasse angekommen ist.
Dennoch überwogen nach einem denkwürdigen Nachmittag eher gemischte Gefühle.
Schon vor dem ersten Ballwechsel war klar, dass Kleinigkeiten den Ausschlag geben könnten. In den Einzeln begegneten sich beide Mannschaften auf Augenhöhe, während die Kölner in den Doppeln mit Dustin Brown und Matwé Middelkoop noch einmal hochkarätig nachlegen konnten.
Den Auftakt machte Benito Sanchez gegen den seit 18 Spielen ungeschlagenen Franzosen Laurent Lokoli. Auf einem Center Court, der diesen Namen leider kaum verdiente, spielte Benito einen überragenden ersten Satz und gewann ihn souverän mit 6:1. Doch der extrem weiche Platz mit tiefen Löchern hinter den Grundlinien sorgte immer wieder für unberechenbare Bälle und Gleichgewichtsprobleme. Mit zunehmender Spieldauer rückte jedoch nicht mehr das Tennis in den Mittelpunkt.
Während Lokoli sich mit vom Schiedsrichter ungeahndetem Schlägerweitwurf Luft machte überschritt eine lautstarke Zuschauergruppe rund um den Kölner Stadionsprecher aus Sicht des SCC deutlich die Grenzen des sportlichen Anfeuerns. Auf Werbebanden wurde geschlagen und bis kurz vor die Ballwechsel hineingebrüllt. Lokoli gewann schließlich den Match-Tiebreak mit 10:8, während ein sichtlich frustrierter Benito Sanchez den Platz verließ. So sauer und aufgebracht habe ich Benito noch nie erlebt. Lokoli selbst feierte seinen Erfolg mit seiner Fangruppe, indem er sich lautstark das Trikot vom Leib riss.
Fast unbemerkt sorgte Daniel Masur parallel für seinen ersten Einzelsieg der Saison. Mit einem überzeugenden 6:3, 6:4 gegen Fabrizio Andaloro stellte er auf 1:1 und ließ sichtbar eine große Last von seinen Schultern fallen.
Auf dem Center Court wurde die Situation derweil immer hitziger. Imanol Lopez Morillo kämpfte im zweiten Einzel gegen den Schweden Olle Wallin nicht nur mit seinem Gegner, sondern auch mit den Platzverhältnissen, die aus Berliner Sicht inzwischen sogar ein Verletzungsrisiko darstellten. Ein Platzwechsel wurde trotz der Bedingungen nicht vorgenommen.
Imanols Unzufriedenheit führte zu zahlreichen Diskussionen mit dem Schiedsrichter. Der konterte mit Verwarnungen für Imanol wegen Zeitspiels, mehreren Fußfehler-Calls auf einer durch Sand kaum noch erkennbaren Grundlinie sowie schließlich sogar Punktabzügen, regelmäßig begleitet von provozierenden Zwischenrufen aus bekannter Fanecke. Dies sorgte dafür, dass sich die ohnehin aufgeheizte Atmosphäre immer weiter hochschaukelte. Nach gewonnenem ersten Satz verlor Lopez Morillo den faden und schließlich das Spiel 7:6, 3:6, 5:10 im Match-Tiebreak.
Die Situation drohte anschließend endgültig zu eskalieren. Zwischen Imanol und unter anderem dem Stadionsprecher von Rot-Weiß Köln kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Zeitweise schien eine körperliche Konfrontation nicht mehr ausgeschlossen und konnte nur durch das Eingreifen mehrerer Beteiligter verhindert werden. In über vier Jahrzehnten Tennis habe ich vergleichbare Szenen kaum erlebt. Viele Kölner Zuschauer fanden den Berlinern gegenüber nur entschuldigende Worte für das Benehmen dieser Fangruppe.
Zum Glück blieb auf dem zweiten Nebenplatz der Fokus ausschließlich auf dem Sport. Carlo Caniato zeigte gegen den Italiener Francesco Forti eine beeindruckende Leistung und gewann nach einem hochklassigen Match mit 7:6, 6:2.
Wie erwartet mussten nun die Doppel entscheiden. Dort zeigte sich die Stärke der Kölner Aufstellung. Dennoch verkauften sich die Berliner hervorragend. Carlo Caniato und Daniel Masur gewannen das Spitzendoppel gegen Forti/Brown mit 6:4, 7:6 und sicherten damit den dritten Punkt. Das zweite Doppel mit Benito Sanchez und Markus Malaszszak musste sich dagegen Lucas Gerch und Matwé Middelkoop mit 6:7, 3:6 geschlagen geben. Trotz guter Lesitung entschieden einige ungenutzte Breakbälle. Am Ende stand somit ein eher unglückliches 3:3-Unentschieden.
Rein tabellarisch hilft dieser erste Punkt dem SCC Berlin kaum weiter. Dennoch bleibt er historisch: Es ist der erste Bundesligapunkt der Vereinsgeschichte. Und wir kämpfen weiter. Noch besteht die Chance auf den Klassenerhalt. Wir werden alles dafür geben, uns so teuer wie möglich zu verkaufen.
Die Berliner Mannschaft hat am Sonntag in Köln unter äußerst schwierigen Bedingungen Charakter, Leidenschaft und große Qualität bewiesen. Mit etwas mehr Fortune wäre sogar der erste Bundesligasieg möglich gewesen.
So bleibt am Ende neben dem Stolz über die Leistung auch die Hoffnung, dass Bundesliga-Tennis weiterhin von Emotionen lebt – Emotionen jedoch dort ihre Grenze finden, wo Respekt gegenüber Spielern verloren geht. Die Stimmung in Köln war laut und leidenschaftlich. Dass die Ereignisse auf und neben dem Platz jedoch über weite Strecken nicht eingefangen wurden, hinterlässt beim SCC Berlin Unverständnis.























