Überlebt!
Müsste man die abgelaufene Saison mit einer Partie Schach vergleichen, könnte man diese wie folgt zusammenfassen: Überragend in der Eröffnung – schwach im Mittelspiel – dank geglückter Personalrochade der Konkurrenz im Endspiel eine Nasenlänge voraus.
Nach dem Aufstieg im vorletzten Jahr wollten wir uns dieses Jahr endgültig in der Ostliga etablieren. Dass dies nicht leicht würde, war allen Beteiligten klar. Das Los hatte uns einige namhafte Gegner beschert. Mit dabei in unserer Gruppe waren u. a. die Zehlendorfer Wespen (amtierender Ostliga-Meister), Grün-Gold Tempelhof (späterer Ostliga-Meister und Aufsteiger in die Regionalliga) sowie der TC 1990 Apolda (Absteiger aus der Regionalliga Süd-Ost). Hinzu kam erschwerend, dass laut Reglement bis zu drei Mannschaften aus unserer Gruppe absteigen mussten.
Durch eine glückliche Fügung startete die Regionalliga der Herren 55 erst zwei Wochen nach uns in die Saison, sodass wir auf den Spitzenpositionen 1 bis 3 mit Jens, Sascha und Blömi hervorragend besetzt waren. Dadurch konnten die beiden ersten Spiele gegen Apolda und Heilandsweide klar mit 6:3 und 7:2 gewonnen werden. Doch bereits eine Woche später wurden wir unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Personell wieder auf uns allein zurückgeworfen, ließen wir beim Weißen Hirschen in Dresden acht Matchpunkte als Gastgeschenk zurück. Auch die nächsten beiden Punktspiele gegen Tempelhof (0:9) und die Wespen (1:8) verliefen aus unserer Sicht eher suboptimal. Mit nur zwei Siegen aus fünf Spielen und einem derartig ramponierten Punktverhältnis durften wir uns keinen Ausrutscher mehr erlauben, wenn wir unser Ziel noch erreichen wollten.
Das für den Klassenerhalt vorentscheidende Spiel fand beim TC Rot-Weiß Naunhof statt, einem kleinen, mitten im Wald gelegenen Verein mit nur drei Plätzen und gerade einmal 87 Mitgliedern. Wer dort sauberes Wasser oder einfach nur eine Toilette sucht, wird freundlich auf die nahe gelegene Fußballanlage verwiesen. Dennoch waren wir gewarnt. Im Vorjahr hatte Naunhof eine Herren-40-Mannschaft in der Regionalliga Süd-West am Start. Teile dieser Mannschaft, u. a. zwei Tschechen, würden aller Voraussicht nach gegen uns zum Einsatz kommen. Glücklicherweise stand uns Jens wieder als Spitzenspieler zur Verfügung.
Tatsächlich war diese Begegnung die einzige, die nicht bereits vor den Doppeln entschieden war. Nach drei äußerst klaren Einzeln in der ersten Runde lagen wir mit 1:2 hinten. Jens’ tschechischer Gegner, der leicht gehandicapt in die Partie gegangen war, erkannte nach verlorenem ersten Satz die Ausweglosigkeit seiner Mission und gab auf. Michael kämpfte tapfer sowohl gegen seinen Gegner als auch gegen seine entzündete Achillessehne und obsiegte schließlich. Auch Thoralf mühte sich zweieinhalb Stunden lang redlich, musste sich jedoch trotz seiner besten Saisonleistung schließlich mit 6:7, 6:7 geschlagen geben.
Kurz nach Beginn der ersten Doppel schlug das Wetter um, eine dunkle Wolkenfront zog bedrohlich über dem umgebenden Wald auf. Schon nach wenigen Minuten öffnete der Himmel seine Schleusen. Nach kurzer Beratung wurde entschieden, die Begegnung im Leipziger Landesleistungszentrum fortzusetzen. Erinnerungen an den eigenen, fast vergessenen Sportunterricht wurden wach, war der dort verlegte Rebound-Ace-Boden doch mit vielerlei Linien für andere Sportarten überzogen. Unser drittes Doppel zeigte sich davon sichtlich beeindruckt und verlor den ersten Satz mit 3:6. Schnell zeigte sich, dass im zweiten Doppel nicht viel zu holen sein würde. Da auch Jens und Torsten einem Break hinterherlaufen mussten, sahen wir unsere Felle bereits davonschwimmen. Doch die beiden boten plötzlich nahezu fehlerfreies Tennis und hielten das eigentlich leicht favorisierte Naunhofer Spitzendoppel mit 6:3, 6:4 in Schach. Auch das dritte Doppel konnte sein Spiel noch drehen und gewann im Match-Tie-Break. 5:4 Endstand!! Wir konnten unser Glück kaum fassen, lag doch der Klassenerhalt jetzt wieder in eigener Hand.
Beim letzten Spieltag konnten wir nach 4:2-Führung aufgrund einer Verletzung des gegnerischen Mannschaftsführers auf die Austragung der Doppel verzichten. Das Abstiegsgespenst war somit endgültig gebannt, am Ende sprang für die Mannschaft sogar ein schmeichelhafter vierter Tabellenplatz heraus. Mein ganz besonderer Dank gilt unserem Sportwart Jens, der uns trotz eines sich abzeichnenden Trauerfalls in der Familie beim entscheidenden letzten Spiel gegen Sutos unterstützte. Mehr Engagement für den Verein geht eigentlich kaum noch!
Was bleibt von der Saison 2025 als Erkenntnis? Das Team muss auf breitere Füße gestellt werden, um unverhoffte Ausfälle besser kompensieren zu können und unabhängiger von der Schützenhilfe anderer Mannschaften zu werden. Trotz einer knapp dreißig Namen umfassenden Meldeliste wurde es ein ums andere Mal zu einem wahren Kraftakt, sechs Spieler auf den Platz zu bekommen. Dass im nächsten Jahr gleich fünf namhafte Mannschaftsspieler des SCC die magische Altersgrenze von fünfzig Jahren erreichen, gibt Anlass zur Hoffnung. Dann haben wir vielleicht ein paar (Schwer-)Figuren mehr auf dem Tennis-Schachbrett.
Ergebnisse
| 1. Herren 50 Ostliga | ||||
| Tag | Datum, Uhrzeit | Heimmannschaft | Gastmannschaft | Ergebnis |
| Do. | 01.05.25 11:00 | Tennis-Club SCC Berlin | TC 1990 Apolda | 6:3 |
| So. | 04.05.25 09:00 | Tennis-Club SCC Berlin | FVT Heilandsweide | 7:2 |
| So. | 11.05.25 11:00 | Bad WH Dresden | Tennis-Club SCC Berlin | 8:1 |
| So. | 18.05.25 09:00 | Tennis-Club SCC Berlin | BTC Grün-Gold 1904 | 0:9 |
| So. | 25.05.25 09:00 | SV Zehlendorfer Wespen | Tennis-Club SCC Berlin | 8:1 |
| So. | 01.06.25 11:00 | TC RW Naunhof | Tennis-Club SCC Berlin | 4:5 |
| So. | 15.06.25 09:00 | Sutos' 1917 | Tennis-Club SCC Berlin | 3:6 |






















